Aus der Region auf den Tisch

Grüne besuchen Biohof NatürLich und Ketchup-Manufaktur

Regional erzeugte Lebensmittel sind mehr als ein Trend – sie sind ein zentraler Baustein für eine widerstandsfähige Wirtschaft. Für die Licher Kandidatenriege von Bündnis 90/Die Grünen steht fest: Wer vor Ort produziert, schafft Wertschöpfung, stärkt ländliche Räume und schützt Klima sowie Ressourcen.

Die kulinarische Inforeise startete auf dem Lindenhof, der mit seinem Maislabyrinth alle zwei Jahre die Besucherscharen nach Eberstadt lockt. Dort produziert Biolandwirt Jonas Weisel auf 40 Hektar seit drei Jahren unter anderem eine breite Palette an Biogemüse. Mit dem Fokus auf regionaler Produktion und kurzen Wertschöpfungsketten leistet er damit einen konkreten Beitrag zurErnährungssouveränität: Lebensmittel werden dort erzeugt, verarbeitet und vermarktet, wo sie konsumiert werden.

Nach einem erfolgreich abgeschlossenen Projekt mit der Uni Gießen entschied sich der 29-jährige Betriebsleiter für eine neue Anbauweise: das Mulchsystem. Dies ist eine natürliche Methode, die den Boden schützt. Mulch hält die Feuchtigkeit im Boden, fördert die Bodenfruchtbarkeit und hilft den Pflanzen, auch heiße Sommertage zu überstehen. Besonders unter den zunehmend trockenen und heißen Witterungsbedingungen kann der Landwirt damit Erträge stabilisieren. Die auf dem Bioacker aufgebrachte Mulchschicht unterdrückt zudem das Unkraut und sichert die Vielfalt der Bodenlebewesen.

Rund 1,5 Hektar Gemüse baut Jonas Weisel mit diesem Verfahren unter seiner Marke NatürLich an. Mit einer speziellen Setzmaschine arbeitet er inzwischen jährlich bis zu 1 Millionen Setzlinge in eine dicke Mulchschicht auf den Ackerflächen ein. Drei Arbeitskräfte auf der Maschine füllen dafür schnelldrehende große “Revolver“ mit den Jungpflanzen. Dünger und Wasser kann Jonas Weisel mit der Maschine automatisch hinzufügen. Insgesamt produziert er damit je nach Saison bis zu 25 verschiedene Kulturen – vom klassischen Gemüse bis zu besonderen Sorten.  Außerdem wachsen auf dem Naturland zertifizierten Betrieb bis zu acht Kartoffelsorten, Getreide sowie sowie Kleegras und Luzerne für die Mulch-Herstellung.  

Aus der Region – für die Region. Das frische Gemüse vermarktet der Biohof an die regionale Gastronomie sowie Großküchen und regionale Lebensmittelhändler.  Für den Absatz an Großküchen muss er jedoch oftmals Hürden überwinden. Nur wenige Küchen schälen und schnippeln das Gemüse noch selbst – sehr viele verarbeiten nur noch küchenfertige Ware. Für Landwirte wie Jonas Weisel ist es daher nicht einfach, entsprechende Verarbeiter in der Region zu finden. Umso mehr freut er sich über eine geplante Verarbeitungsstätte der Lebenshilfe zur küchenfertigen Aufbereitung von Gemüse, die aus dem Projekt Nah.Land.Küche. entstanden ist.

Neben frischer Ware verkauft NatürLich auch handwerklich verarbeitete Produkte wie
Rote-Beete-Spezialitäten, Suppen, Fonds oder besondere Kartoffelchips. Der kleine Hofladen, der jeden Samstag geöffnet ist, bietet zudem Wurst-Spezialitäten und Eier vom Obersteinberger Hof in Pohlheim. Das ist der elterliche Betrieb von Anne Fay, der Freundin des jungen Licher Bio-Landwirtes. Für Menschen, die wissen wollen, woher ihre Lebensmittel kommen, ist NatürLich damit die richtige Adresse in Lich.

Die zweite Station der grünen Infotour führte zur Ketchup-Manufaktur „Zum Heiligen Stein“ in Ober-Bessingen. Ein Familienbetrieb, der zeigt, wie aus Handwerk, Leidenschaft und regionaler Verwurzelung ein starkes Lebensmittelangebot entsteht. Die Licher Erfolgsgeschichte begann 2010 zunächst als kleines Restaurantprojekt. Die Suche nach einer passenden Soße für eine Lamm-Currywurst aus eigener Schafhaltung führte zur Entwicklung eines einzigartigen Ketchups – zunächst nur für den Eigenbedarf gedacht. Doch der Ketchup entwickelte sich zum Selbstläufer. Ohne Werbung, ohne große Kampagne – allein getragen durch Geschmack, Qualität und Mundpropaganda wollten Kundinnen und Kunden immer mehr davon.

Klasse statt Masse. Seit 2021 produziert das Familienunternehmen von Nina und Boris Sauerborn nun Ketchup unter der markanten Marke mit dem Schaf. Das Motiv auf den Etiketten hat die Berliner Illustratorin Lisa Sauerborn entworfen, die Schwester des Geschäftsführers. Die Herstellung ist bewusst handwerklich gehalten. Ein fest angestellter Koch fertigt die Soßen täglich frisch an. Die Basiszutaten kommen ausgewählt aus Europa – das Tomatenmark aus Italien, feine Essige aus Frankreich – doch die Verarbeitung, Veredelung und kreative Handschrift entstehen vor Ort.

 Mit hochwertigen Zutaten und ohne Konservierungsstoffe und Verdickungsmittel entsteht in Ober-Bessingen auf diese Weise eine international ausgezeichnete Feinschmecker-Spezialität. So heimste die milde Sorte beim Great Taste Award gleich zwei Sterne ein. Eine Wertschätzung, die zeigt, dass regionale Produkte auf höchstem Niveau konkurrieren können. Die Sortenvielfalt – von „mild“ bis „rauchig“ oder „Trüffel“ – wurde mit viel Fingerspitzengefühl entwickelt und wird auch als Präsent mit individuellen Firmenlogos angeboten.

Dabei bleibt die Manufaktur ihrem Grundsatz treu: moderat wachsen und Qualität bewahren. Produktion, Versand, Vertrieb arbeiten Hand in Hand:  der Firmenchef, seine Ehefrau, drei Vertriebsmitarbeiterinnen und der Koch sorgen für einen reibungslosen Ablauf.  Abnehmer sind Feinkostläden, Metzgereien und Supermärkte in der Region.  Im Umkreis von bis zu 80 Kilometern wird selbst ausgeliefert, darüber hinaus läuft der Versand über Dienstleister. Gut angenommen wird auch der eigene Onlineshop, der bereits 13 Prozent des Umsatzes einspielt.

Die Geschichte der Ketchup-Manufaktur steht stellvertretend für Hunderte kleiner und mittelständischer Betriebe, die Arbeitsplätze vor Ort schaffen, handwerkliche Traditionen bewahren und regionale Wirtschaftskreisläufe stärken. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wertvoll regionale Strukturen sind. Während globale Lieferketten schnell auseinanderbrechen, können hochwertige, lokal produzierten Lebensmittel unsere Ernährung langfristig sichern. Für die Licher Kandidat*innen von Bündnis 90/Die Grünen ist daher klar: Diese Betriebe brauchen faire Rahmenbedingungen, weniger bürokratische Hürden und mehr politische Unterstützung – damit regionale Produktion nicht die Ausnahme bleibt, sondern zur Grundlage einer nachhaltigen Ernährung wird.

Text von Birgit Will

Foto: Privat